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Ihr Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer. Ich hoffe, Sie
haben trotz aller Schreckensmeldungen noch nicht den Humor verloren. Aber in
dieser Situation ist der uralte Börsenwitz aktueller denn je. Denn wenn Sie auf
die Verluste in Ihrem Depot schauen und glauben, die Kursgewinne der Vorjahre
hätten sich in Lust aufgelöst, dann irren Sie sich gewaltig.
Auch in der
Krise gibt es Gewinner
Trotz Ihrer persönlichen Tristesse im Depot gibt es eine Reihe von
Menschen, die auch während der hurrikanartigen Krise Geld gescheffelt haben.
Ein ganzes Heer von Fachleuten für Mergers & Acquisitions (Firmenübernahmen),
für Steuerfragen, für dies und das wird auch in diesen schwierigen Zeiten zu
Höchstpreisen beschäftigt. Wenn keiner weiter weiß, wenn es schnell gehen muss,
weil die Zeit drängt, dann kommt die Finanzfeuerwehr und wird es schon richten.
Und auch die Anleger, die gelernt haben, wie man „short“ geht, wie man also auf
fallende Kurse wettet, machen ihren Schnitt.
Eine weitere Nachricht der vergangenen Tage lässt für
Gedankenspiele Platz: Die beiden geschassten Chefs der Immobilienfinanzierer
Freddy Mac und Fanny Mae bekommen ihre millionenschweren Abfindungen nicht
ausgezahlt. Wenn das eine Nachricht wert ist, muss es doch im Umkehrschluss
heißen, dass viele andere gefeuerte Chefs auf ihr warmes Millionen-Pölsterchen
natürlich nicht verzichten und mit einem goldenen Handschlag nach Hause gehen.
Bei all dem kann man nur mit Galgenhumor sagen: Wie tröstlich, auf
dieser Welt geht kein Cent verloren. Irgendwo und bei irgendwem taucht er
wieder auf.
Das Geld hockt
in der New Bond Street
In Zeiten der Globalisierung lässt sich der Weg des Geldes sogar
genau nachzeichnen. Wie bei Google maps sogar passgenau mit Straße und Adresse:
Denn am Montagabend waren alle, die was auf sich halten in London bei Sotheby´s
oder zumindest von irgendwoher per Telefon zugeschaltet.
Denn die ehrwürdigen Räume boten einmal mehr einen Fluchthafen für
alle, die ihr Geld nicht mehr in Aktien und Optionen investieren wollen,
sondern in solide Anlagen, nämlich in moderne Kunst. Wenn Sie jetzt schmunzeln,
so ist das erlaubt. Bei den Ergebnissen, die die Damien-Hirst-Versteigerung
allerdings zustande gebracht hat, vergeht Ihnen das Schmunzeln ganz schnell.
Denn dann wird klar, dass hier die nächste Spekulationsblase auf eine Nadel
wartet, um heftig zu platzen. Soweit ist es aber noch nicht. Noch tragen alle,
die Geld haben, dieses auf den Altar der Kunst. Der „Zauber“-Künstler Hirst
hatte eigens für den Anlass 233 Werke fabriziert (ich berichtete bereits
darüber), und sie gingen weg wie heiße Semmeln.
Beobachter berichten von besonders vielen jungen hübschen Mädchen,
die für die Werke des Pop-Star Künstlers geboten haben. Das waren
wahrscheinlich die Töchter der Millionäre und Milliardäre, von denen es
statistisch gesehen immer mehr gibt, die aber wohl ihr Geld nicht mehr persönlich
zeigen wollen, weil das auch mehr und mehr Neid heraufbeschwört, je stärker die
Finanzkrise „Otto Normalanlegers“ Depot atomisiert.
Genau 201 Million $ kamen in der zweitägigen Auktion zusammen. Für
den Künstler bleiben nach Abzug der Kommission und einer mildtätigen Spende von
rund 6 Millionen $ immer noch 170 Millionen $ übrig. Damit ist dem sowieso
schon reichsten Künstler der Erde ein Platz in den Geschichtsbüchern sicher.
Ich will hier nicht weiter über das Erdbeben im Kunstmarkt sprechen, das die Versteigerung
ausgelöst hat,
aber eines ist sicher. Wenn Sie wissen wollen, wohin all das Geld fließt, das
von den Notenbanken in die Märkte gepumpt wird, schauen Sie einfach in einen
der Glaskästen von Damien Hirst. Es war die Attraktion der Auktion und wurde
vom Mega-Sammler Francois Pinault gekauft: das Goldene Kalb. Nichts
symbolisiert besser die Anbetung des Geldes und Goldes und den bloßen Schein
als dieses biblische Tier.
Tipps für alle, die keine
Spekulationsblasen mögen
Kommen
wir aber wieder zurück zur aktuellen Börsensitutation. Ich halte es für keine
gute Idee, in Panik jetzt das ganze Geld aus Ihren Investments abzuziehen. Aber
überlegen Sie sich, welche Risiken sich leicht vermeiden lassen. Zum Beispiel
in Bezug auf die Sicherheit Ihrer Spareinlagen: Wählen Sie keine Bank allein
wegen ihrer hohen Tagesgeldzinsen. Sondern prüfen Sie vorher nach, ob das
Guthaben auf Ihren Konten dort auch in vollem Umfang abgesichert ist. Im
Zweifel Finger weg von Banken, die sich nur auf die gesetzliche Sicherung bis
höchstens 20.000 € und 90 Prozent beschränken! Die Sicherungsgrenzen muss Ihnen
jede Bank bei Eröffnung eines neuen Kontos verraten.
Seien
Sie zudem vorsichtig bei Zertifikaten, denn das Emittentenrisiko tragen Sie:
Jedes Zertifikat ist nur so gut wie die Bank, die es emittiert. Wenn sie pleite
geht, ist Ihr Zertifikat nichts mehr wert, da mag sich der Basiswert noch so
gut entwickelt haben. Und ansonsten empfehle ich Ihnen, das zu tun, was
Börsen-Altmeister André Kostolany schon lange empfohlen hat: „Kaufen Sie sich
sichere Aktien, an die Sie glauben, und nehmen Sie ein paar Schlaftabletten für
die nächsten 10 Jahre – und dann schlaaafen Sie!“
Herzlichst
Ihre
Carola Ferstl
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